.. zurück zur vorherigen Seite Zur Person

Dr. Reinhold Teufel war eine Verkörperung des königlichen Richters. Er vereinigte in sich die Tugenden, denen jeder Richter nachstreben sollte, in hohem Maße: Gerechtigkeit, Klugheit Augenmaß und Zivilcourage. Besonderen Mut bewies er im Dritten Reich. Er trat nie der NSDAP bei und war deshalb etlichen Anfeindungen ausgesetzt.

Seine Verhandlungen waren immer wieder besondere Erlebnisse, denn sie ließen sein überlegenes Wissen und das Recht und seine strenge Sachlichkeit sichtbar werden. Allen äußeren Einflüssen unzugänglich, war er darum bemüht, mit der ganzen Kraft seiner Persönlichkeit und dem reichen Schatz seiner Erfahrung die Wahrheit und nichts als die Wahrheit zu suchen und Gerechtigkeit gegen jedermann zu üben. Er wahrte stets eine gewisse Distanz und ließ sich niemals von den Parteien einspannen.In kurzer Zeit konnte er sich in andere Menschen hineindenken, Entwicklungen nachvollziehen und die verworrensten Tatbestände sichten und ordnen. Alle Prozesse entschied er mit mit der gleichen Gewissenhaftigkeit, denn er wusste, dass es keine kleinen und großen Prozesse gibt und dass Ungerechtigkeit auch in homöopathischen Dosen vergiftet.

Dr. Teufel teilte allerdings auch das Schicksal des Richters, das vielfach die Einsamkeit ist. Er muss, um wahrhaft Recht sprechen zu können, Distanz auch zu Menschen halten. Daher wird ihm die Wohltat echter Freundschaft nur selten zuteil. Auch das hat Dr. Teufel erfahren.

Wahrscheinlich löste er sich deshalb immer wieder unmerklich aus manchen menschlichen und beruflichen Verpflichtungen und gewann Souveränität gegenüber der Jurisprudenz, die er sachte beiseite schob zugunsten seiner biologischen, philosophischen und religiösen Studien. Daher verwundert es auch nicht, dass er zwei Drittel der Stiftungserträge für die Biologie und nur ein Drittel für die Rechtswissenschaften bestimmte.

Nach dem Krieg war es Dr. Teufel ein großes Anliegen, den Richterstand aus seiner Verbeamt-ung zu lösen und dem Postulat des Grundgesetzes hinsichtlich der Unabhängigkeit des Richters voll Geltung zu verschaffen. Bestimmt haben ihn dazu auch persönlich schlechte Erfahrungen im Dritten Reich veranlasst. Er hat sich in diesem Sinne sowohl beim Justizministerium als auch beim Richterverein sehr energisch verwendet.